In der Spielzeit 2009/2010 entstehen drei Theater-Produktionen unter der Anleitung von Regisseuren, Theaterpädagogen und Schauspielern. Unter den Arbeitstiteln »WEGE UNTER DEM PFLASTER«, »DER HIMMEL SO WEIT« sowie »HINTER DEN FENSTERN« machen wir uns auf die Suche nach verwaisten Plätzen, Orten der Erinnerung und des Widerspruchs oder versteckten Räumen in Wilhelmsburg und verwandeln sie in utopische Theaterspielorte. Seien es öffentliche Plätze, Parkhäuser, leer stehende Läden, Fabrikhallen, Parkbank oder der Schulhof. Die Teilnehmer der einzelnen Projekte (zwischen 8 und 18 Jahren) fungieren dabei als Guides: Sie sind die Experten ihrer Lebenswelt und städtischen Umgebung.
Bislang nicht genutzte Räume werden so zu einem Experimentierfeld für Kinder und Jugendliche, um die Kunstform Theater zu entdecken. Brachliegender Raum wird zu einem lebendigen Ort des Sicheinbringens und Sichausprobierens. Dabei findet eine starke Orientierung an den Lebensentwürfen der Kinder und Jugendlichen statt und die regionalen Eigenheiten von Wilhelmsburg werden berücksichtigt. Dennoch realisiert das Projekt nicht voranging einen sozialen, sondern vor allem einen theatralen Bezug zum Stadtteil. Die Theaterwirklichkeit lässt sich mitten in der alltäglichen Umgebung nieder und macht Wilhelmsburg für seine jungen Bewohner neu erlebbar. Umgekehrt erfahren die Kinder und Jugendlichen andere Sichtweisen auf das Theater. Die Einbindung von Theater im nachbarschaftlichen Alltag stellt einen Rückbezug auf professionelle Theaterorte her. Wilhelmsburg ist ein sozialer Brennpunkt mit multiplen Problemlagen und einem sehr großen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig sind 22,7 % der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. Gerade diese jungen Menschen profitieren von einem solchen Projekt, wenn ihre künstlerischen Projekte, die bis Mai 2010 entstehen, in eine breite Öffentlichkeit getragen werden. Dabei planen wir die unterschiedlichen Stücke der Gruppen auf einem Stadtteilevent gemeinsam zu zeigen. Gleichzeitig beinhaltet das Projekt auch Rückbezüge zum Schauspielhaus. Begleitende Aktionen für die Teilnehmer innerhalb unseres Hauses sind fester Bestandteil der Planung. Doch zunächst will Backstage »Mobil werden« und »Mobil machen«. Es will »Platz« schaffen für Theater, es dort hinbringen, wo das Lebens spielt und brachliegende Flächen in »Spielplätze« verwandeln. Der Stadtteil als ursprünglicher, ungeformter Ort der Begegnung lassen Wilhelmsburg zu einem interessanten Aufführungsort werden.
Wir wollen in unserem Projekt »Himmlische Plätze« mit jungen Menschen, die sich in einem sehr heterogenen Umfeld und Lebensverhältnissen bewegen, eine Arbeitsweise entwickeln, die Ideen, Phantasien und Perspektive eines anders ausgerichteten Lebens zulässt und Fragen einer aktiv gestalteten Zukunft aufwerfen: Sie besetzen »Himmlische Plätze«, entwickeln durch theatrale Ideen eine Utopie, die es so in Wilhelmsburg nicht gibt, allerdings nicht von standardisierten, idyllischen Vorstellungen geleitet, sondern immer an den Erfahrungen der Teilnehmer und den Gegebenheiten des Stadtteils anknüpfend. Sie stellen Fragen an ihre Lebenswelt und versuchen Antworten zukunftsorientiert umzusetzen: Was könnte anders sein in unserer Welt? Wie leben Menschen in Wilhelmsburg? Wo kreuzen sich Wege der Vergangenheit und Zukunft?
Das Junge Schauspielhaus, die theaterpädagogische Abteilung, »Backstage« sowie Künstler und Performer tragen ihr künstlerisches und pädagogisches Programm in die Stadt Hamburg hinein. Sie dezentralisieren das Theater um die »Besucher von Morgen« direkt und unmittelbar zu erreichen und Grenzen im Umgang mit (Hoch)Kultur zu überwinden.