Minna von Barnhelm, oder das Soldatenglück (Trailer)
Germany 2008, Trailer | Culture, Drama, 2:04 min.
[ Synopsis ]
Corriger la fortune. Das wohl berühmteste Zitat des berühmtesten deutschen Lustspiels ist französisch. Ein abgebrannter Spieler, entlassener Soldat wie der Major von Tellheim, versucht (erfolgreich), sich bei Minna von Barnhelm frisches Geld für neue Einsätze zu verschaffen und offenbart dabei die Strategie seines Spiels. Man kann es einen Euphemismus für Falschspiel nennen – aber was ist dann das, was Minna betreibt? Die auf der Suche nach dem geliebten Mann in unübersichtlichen Nachkriegszeiten eine weite und gefährliche Reise von Dresden in das unübersichtliche Berlin unternimmt, bis eben noch die Hauptstadt des Kriegsgegners. Und die sich, als sie den Gesuchten durch Zufall entdeckt hat, der gleichen Mittel bedient wie der unglückliche französische Marquis, nur um den starren Ehrenkodex des geliebten Mannes zu zerbröseln. Denn schließlich fügt auch sie sich nicht ohne weiteres den Würfen des Schicksals, sondern unternimmt alles, um an ihr Ziel zu kommen, mit Scharfsinn und Witz. Sie spielt hasard, und ihre Konstruktion droht beinahe zu scheitern. Soweit Lessing. Aber was, wenn ihr Spiel tatsächlich scheitert? Was, wenn die Zerstörung, die der Krieg bei den Menschen verursacht hat, ihnen den von Lessing gesuchten humanen Ausweg verstellt? Wenn, was nichts weiter als ein Spiel sein sollte, zerstörerische Kräfte freisetzt, denen die Beteiligten erliegen? Was macht der Krieg mit Menschen? Bei Lessing ist sein Widerschein von ferne zu spüren, der Fokus liegt auf den beiden Protagonisten. Was ist, wenn das Spiel da beginnt, wo in der »Komödie der Verführung« die Discokugeln herabgestürzt sind, der schöne Schein zerborsten ist? Es gibt kein wahres Leben im falschen? Dann ist auch das »Corriger la fortune« eine Schimäre. Der Rest ist das Nichts. Keine schöne Aussicht, aber eine wahrhaftige. Sie ist den Versuch wert. Ob die Uraufführung 1767 ein Erfolg war, lässt sich aus den Quellen nicht zweifelsfrei erschließen. Wenn doch, dann hat das möglicherweise weniger mit dem Stück als mit einer zwischen den Akten auftretenden Gauklertruppe zu tun. Nach einer Bemerkung Heinrich Christian Boies sei – damals – »der Geschmack des Hamburgischen Publikums…höchst verdorben « gewesen. Dem Siegeszug dieses Stückes hat das dauerhaft keinen Schaden bereitet. Von Glück und Unglück mit dem Theater in der Hansestadt wusste der Autor der »Hamburgischen Dramaturgie« einiges.